Liebliches Necken mit Tuba und Klavier – Lausitzer Rundschau 08. Mai 2017

8. Mai 2017
Anja Sonntag

Forst Willkommen im herzerfrischenden Alltag – so könnte man die Stunden nennen, zu denen am Freitagabend das Kompetenzzentrum komfor in Forst eingeladen hat. „Frau Sonntag und ihr ständiger Begleiter“ lud zum musikalischen Philosophieren, liebevollen Streiten, aber am Ende doch liebevollen Gernhaben ein.

Ein Eheleben auf der Bühne, vorgetragen und erlebt mit nicht wenigen ironischen Untertönen, aber immer charmant, witzig und vor allem voll musikalisch von den beiden singenden und musizierenden Schauspielern dargeboten. Als Rasseweib mit roter langer Mähne und einer Stimme, die von hauchzart bis deftig derb variierte, kam Anja Sonntag daher. Eher etwas unscheinbar dagegen ihr Mann Stefan Gocht, der zum markanten Gesang seiner Frau fleißig das Klavier oder das Akkordeon bediente und Chansons oder Jazztitel , aber auch bekannte Schlager oder Pop-Songs zum Besten gab.

Zwischen den Liedern wurde mit Sprachwitz geneckt, gelobt und auf die Schippe genommen. Lebensweisheiten leidenschaftlich verpackt als Musik–Comedy mit Anleihen von Claire Waldoff und Savoir-vivre, was als Lebenskunst übersetzt werden kann.

Der Badeanzug – wie viele Frauen in wie vielen Generationen haben überdieses Thema schon philosophiert – so auch Frau Sonntag. Wenn die Sonnenstrahlen kommen und man einen Badeanzug kaufen möchte, „ein peinlicher und erniedrigender Augenblick im Leben einer Frau“, findet Anja Sonntag – zumindest gefühlt, wenn man möchte, wie man will, aber eben nicht kann, wie man möchte. „Winterspeck in Weiß, wohin das Auge reicht“, so der dazu passende Bluestitel. Da klingt ein „Du siehst gut aus“ doch gleich nach tief versteckter Botschaft, die Frau schon sieben Meilen gegen den Wind riechen kann. Wenn dann Frau noch an den Spruch denke: „Sport und Turnen füllt Gräber und Urnen“, könne das Thema Badeanzug schon eine halbe Lebenskrise auslösen. Zwischendurch nahm Frau Sonntag auch ihre Tuba in die Hand und ergänzte das Klavier von Stefan Gocht.

Der bis auf den letzten Platz besetzte Saal brodelte und spendete tosenden Applaus. Familie Schottek aus Döbern ist kabarettbegeistert und zum ersten Mal im Forster Komfor. Alle Mitglieder sind hellauf begeistert von der familiären Atmosphäre. Detlef Schottek ist selbst auch musikalisch und spielt Akkordeon: „Die Kombination zwischen Gesang, Witz und Humor ist toll. Zu den Liedern mit diesen Lebenserfahrungen muss man einfach schmunzeln.“ Sie sind auch positiv überrascht, dass das Publikum altersmäßig gut gemischt war. Es wird nicht ihr letzter Besuch in dieser Stätte in Forst gewesen sein. In der Pause lockte die Ausstellung „Magische Orte – Geister und Götter“ der Gubener Künstlerin Sigrid Noack.

Margit Jahn / mjn1

 

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